(Über die Entstehung der Hintergrundbilder und 3D-Animationen)

Eigentlich ganz einfach. Ein Forum wird gegründet. Eine passende Dekoration (neudeutsch: Corporate Identity) wird gesucht. Jemand erinnert sich: "Ich hab da mal was gesehen..." Man bekommt eine Mail: "Machste mit?" Und schon sitzt man wieder jede freie Minute am Rechner und zeichnet, extrudiert, animiert bunte Bilder.

Vorgeschichte

Das erste ähnliche Projekt war 2016 unser eigener Reisekasten. Ein Serienausbau Roadcamp-R von 2014. Für ein Bastelvorhaben (Riesenschublade im Laderaum) hatte ich zunächst nur die Heckgarage ausgemessen und in Sketchup modelliert. Irgendwie machte das solchen Spaß, dass nach und nach der gesamte Ausbau als 3D-Modell entstand. Die einzelnen Bauteile (Möbelwände, Klappen, Tischplatten...) wurden millimetergenau ausgemessen, im Programm nachgeformt und Stück für Stück an die bereits vorhandenen Teile montiert.



Das Roadcamp-Modell ist sehr exakt und eignet sich gut zur Planung eigener Umbauten und Ergänzungen. Im Programm kann man neue Teile "ausprobieren", um zu sehen, ob sie funktionieren. Oft genug kommt man in Konflikt mit vorhandenen Teilen. Einige Pläne wurden so rechtzeitig als undurchführbar erkannt und gestoppt, bevor Schaden entstand. Auf manche Ideen hat mich auch erst das Modell gebracht, da man dort Zusammenhänge erkennen kann, die man im realen Kasten gar nicht sieht.



Um 3D auf einem 2D-Bildschirm zu sehen, muss Bewegung ins Bild. Dafür reicht schon eine kleine Verschiebung der Betrachtungsrichtung. Im Programm selbst kann man das Modell jederzeit flüssig drehen, schwenken, heranzoomen usw. so dass tatsächlich ein räumlicher Eindruck entsteht. Zur Präsentation wurden endlos-Animationen erstellt, die den Effekt leider nur teilweise vermitteln können. Bei den Drehbildern hier im Making-of sind es jeweils 48 Einzelbilder ca. 400x300 Pixel groß, die mit einer Dateigröße von fast 2 MB schon nah an der Grenze dessen sind, was das Forum erlaubt. Nimmt man weniger Bilder, kann man sie größer machen. Nimmt man mehr, läufts flüssiger.

Warum nun dieses "animierte Spielmobil"?

Was könnte exemplarisch für einen Selbstausbau stehen? Na logisch, ein Kasten, der sich selbst ausbaut. Aber den muss man erst mal haben. Der Markenkasten kommt nicht in Frage. Ein Maßschneider wirbt auch nicht mit Konfektionsware. Nur einige Bauteile kann man wiederverwenden. Also was Neues zeichnen. Aber welchen Grundriss? Jeder Eigenbau ist einzigartig. Keinen bevorzugen, niemanden herabsetzen! Ich entscheide mich für die Variante, die jeder kennt, die aber kaum jemand privat nachbaut. Küchenblock in der Schiebetür, gegenüber Nasszelle, vorne Dinette, hinten hochgesetzte Querbetten. Alles am üblichen Platz. Man findet sich sofort zurecht. Sozusagen die "Missionarsstellung" unter den Grundrissen.



Das Pflichtenheft und die Umsetzung.

Das Thema soll für zufällige Besucher auf Anhieb klar sein. Der reine Wohnteil wäre aber vielen ein Rätsel. Es muss also ein Hauch von Auto drum herum. Durchsichtig, damit man das Innere gut sehen kann. Ein paar angedeutete Fenster vorn und hinten verstärken die plastische Wirkung. Räder und Lenkrad sollen als Orientierungspunkte deutlich erkennbar bleiben. Sitze nach hinten gedreht - es geht mehr ums Wohnen als ums Fahren. Vorne der "Geist" eines Motorblocks - naja, eigentlich nur damit es dort nicht so leer aussieht.

Klare einfache selbsterklärende Formen. Oberschränke haben oft keine Rückwand, weil man die Innenverkleidung des Autos nutzen kann. Diese hier haben welche, so muss keiner danach fragen. Ein kleines festes Handwaschbecken wie aus dem Gästebad - sofort zu identifizieren. Aus dem gleichen Grund keine TTT, obwohl sie viel einfacher zu modellieren wäre, sondern das allgemein bekannte Kassettenklo. Der durchsichtige Wassertank benötigt ebenfalls keine Beschriftung. Wasserhähne wie aus dem Baumarkt. Stinknormale Steckdosen und Schalter. Ein paar Möbelkanten sind abgerundet, damit man sich nicht dran stößt und um dem Kasten ein bisschen Individualität zu geben. (Ob solche gebogenen Schubladen überhaupt realisierbar sind?)



Eine comicartige Farbenpallette in dezenten Pastellfarben damit man auf der Startseite noch das darüber liegende Menü lesen kann. Intuitive Zuordnung: grüne Wiese unter die Füße, beiges Birkenholz an die Wände, rehbraunes Leder auf die Polster, schwarzgrau gesprenkelter Granit auf Tisch und Arbeitsplatte. Die roten Gasflaschen signalisieren: gefährlich! Um es mehr nach technischer Zeichnung aussehen zu lassen, wird eine einfache Parallelprojektion verwendet. (...im Gegensatz zu den hier gezeigten Beispielen in Zentralprojektion wo nach hinten alles kleiner wird.)



Warum so viele Innereien?

Beim Roadcamp hatte ich nur noch die Heizungsanlage nachgeformt, weil sie relativ viel Platz einnimmt und bei manchen Bastelprojekten im Weg ist. Diesmal werden auch Wasserleitungen, Gasleitungen und Kabelkanäle verlegt. Ebenfalls dezent farbcodiert: rötlich für warm, bläulich für kalt, zartes violett für Landstrom, lindgrün für 12 Volt, Gasleitungen in Kupfer. Fast wie in echt eine ziemliche Plackerei. (Hat auch die Dateigröße ordentlich in die Höhe getrieben. In einigen Ecken sieht es aus wie Spaghetti. Hoffentlich sitzt alles an der richtigen Stelle.) ...und dann verschwindet das ganze Gewusel in den Möbeln. Aber sobald man sie öffnet, kann man die verborgene Komplexität eines Ausbaus zeigen. Erkenntnis des Betrachters: es ist eben nicht mit ein paar Sperrholzplatten getan.

Wie entstehen die Bilder und Animationen?

Es sind Screenshots. So ein 3D-Modell kann man als Quelle für beliebige Bilder aus allen Richtungen und Winkeln knipsen. Durch weglassen oder hinzufügen von Elementen kann man Ansichten thematisieren, z.B. nur die Wasserversorgung, die Gasanlage, der Heizungskrake usw. In manchen Bildern liegt auch schon mal ein vergessenes Werkzeug herum und signalisiert "Man at Work". In einzelnen Szenen ist der Tisch gedeckt oder das Bett gemacht. Da fällt mir immer noch mal was Neues ein.



Um für die großen Hintergrundbilder eine hohe Auflösung zu bekommen, werden sie stets aus mindestens vier formatfüllenden Teilstücken pixelgenau zusammengepusselt. Sie sind dadurch fast vier mal so groß wie der Monitor auf dem das passiert. Dank großer gleichfarbiger Flächen und JPEG bleiben die Dateien trotzdem meistens unter einem MB.

Die Einzelbilder der Animationen entstehen wie beim Puppenfilm mit einer festen "Kameraposition" durch schrittweise Bewegung des Modells. Sie werden zunächst ebenfalls formatfüllend aufgenommen und später mit einem Grafikprogramm verkleinert und farbreduziert. Das lässt die Treppchen in den schrägen Linien verschwinden und erhält die weichen Farbübergänge an den Wölbungen. Für das Aufbaufilmchen auf der Startseite sind es 60 Einzelbilder der Größe 200x152. Animiert wird mit einem kostenlosen Daumenkino-Tool .



Warum dieser Aufwand?

(Vorsicht Pathos!)
Bei der Olympiade verleiht ein edeles Ambiente und ein würdiges Zeremoniell der sportlichen Leistung besonderen Glanz. Für mich sind Selbstausbauer die Olympioniken unter den Bastlern. Nicht nur im Kastenwagenbereich. Je kleiner das Gehäuse um so größer die Herausforderung. Was man da alles unter einen Hut bringen muss. Man müsste eigentlich Fahrzeugschlosser, Metallbauer, Zimmerer, Schreiner, Stellmacher, Elektriker, Elektroniker, Installateur, Heizungsbauer, Sattler, Polsterer usw. in einer Person sein. Hier in diesem Forum sollen sie sich nicht still in eine Ecke drücken, sondern stolz aufs geschmückte Siegerpodest steigen und ihre Leistung im angemessenen Rahmen vorzeigen.

Poly